Die Vorgeschichte
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Im Jahr 1296 hat man das Unwesen der Fastnacht etwas zeitig angefangen...
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Meilensteine der Speyerer Fasnacht -
der historische Hintergrund der SKG
1111![]() |
Am 14. August des Jahres 1111 verlieh der Salische Kaiser Heinrich V. seiner vielgeliebten Stadt Speyer als erste und bevorzugt unter allen damaligen deutschen Städten wichtige Privilegien. Sie befreiten die Bürger nicht nur von den Steuergesetzen, sondern gewährten ihnen viele freiheitliche Rechte. Von der Narrenfreiheit war damals allerdings noch keine Rede. Aber sie gehörte später immer zu den Privilegien freier Bürger. |
1296 |
"Speyr" ist eine mächtige Stadt, bedeutender als Worms oder Mainz. Den Bürgern geht es recht gut, für manchen Grund genug zur Ausgelassenheit vor dem Aschermittwoch, an dem die Pfaffen wieder zu strenger Buße rufen. Und so kommt es während der Fasnacht zu Schlägereien zwischen den Bürgern und den Bediensteten der Kanoniker und des Dombezirks - ein Streit, der hohe Wellen schlägt, so daß gut dreihundert Jahre später der Speyerer Stadtschreiber Christoph Lehmann unter Zuhilfenahme der Akten in seiner Stadtchronik darüber berichtet - und dabei noch nebenher ein frühes Zeugnis der Speyerer Fasnacht gibt, indem er sie aktenkundig macht. |
1410 - 1463 |
In diesen Jahren wurde die Speyerer Landwehr errichtet, einer Befestigungsanlage, die um die Stadtmark verlief und aus einem Wallgraben, Schlagbalken und Wehren bestand. In Abständen waren Warten aus Stein oder Holz eingefügt - übrig geblieben ist davon nur noch die Wormser Warte, der heutige Wartturm, den die Stadt Speyer für 111,11 Mark pro anno an die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine verpachtete. Der Wartturm wurde zum Sitz der Narren und ist heute kurpfälzisches Fasnachtsmuseum. |
1471 |
Noch immer schwelt der Streit zwischen Rat und Bischof - und so findet die Speyerer Fasnacht wieder einmal Eingang in Christoph Lehmanns Stadtchronik, indem dass man in diesem Jahr "die Faßnachts-Butzen verbotten" hat. |
1479![]() |
Wieder einmal ist ein Streit zur Fasnachtzeit in die Stadtchronik eingegangen - diesmal geht es um Schuhe. Denn die Bäcker und Müller wollten es nicht leiden, dass Mitglieder der Schneiderzunft beim "Dantz mit den Jungfern" einen schwarzen und einen weißen Schuh tragen - dieses Recht beanspruchten sie allein für sich. Am Ende des Schuhkriegs, bei dem einige der wackeren Gesellen schließlich fünf Tage im Turm verbrachten, fällt der Rat ein salomonisches Urteil: künftig sollen alle entweder zwei schwarze oder zwei weiße Schuhe tragen. |
1495![]() |
"Sie sind zwar wohlauf, aber nicht weniger als gesund, sie sind alle verrückt und lassen sich von der alle Jahr herrschenden Raserei umtreiben... " Der Humanist Dietrich Gresemund, geboren zu Speyer, schildert Fasnachtsbräuche in seiner geliebten Vaterstadt. Es darf angenommen werden, dass sich seine farbige Schilderung der Narretei im 15. Jahrhundert auf Erlebnisse und Erfahrungen in Speyer stützt... |
1538![]() |
Auch in anderen alten Speyerer Geschichtsbüchern lesen wir gelegentlich Närrisches. So berichtet die Zimmersche Chronik von "sonderlichen Gebräuchen und Mommereien" bei denen allerlei Bübereien verübt wurden und man "habe sich nicht gescheut, dazu auch Frauen mitzunehmen." |
1550 |
Bartholomäus Sastrow berichtet über die Speyerer Königreiche. Zu Neujahr oder am Dreikönigstag wird von verschiedenen Gesellschaften je ein königlicher Hof eingerichtet, für den die Ämter ausgelost werden: König, Marschall, Kanzler, Hofmeister, Schenk, Truchseß usw. - und natürlich darf hier der Narr nicht fehlen. Für die Ämter wurden Beiträge festgesetzt, insbesondere der König mußte die Ehre, die man ihm für drei oder vier Stunden bezeugte, teuer bezahlen - nur der Narr war frei. |
1815![]() |
Die Geselligkeit erblüht, Unterhaltung ist gefragt - es wurde eine "Lesegesellschaft" gegründet, in der Novellen vorgetragen und Dramen rollenweise rezitiert wurden. Ein "Lesecasino" verfolgte anscheinend gleiche Ziele. |
1816![]() |
Lesegesellschaft und Lesecasino schließen sich zur Harmonie-Gesellschaft zusammen, in der sich die Beamten und höheren Kreise standesgemäß trafen. Später bildete sich unter dem Einfluß des Mannheimer Theaters ein Dramatischer Verein und ein Musikverein - die große Zeit der Geselligkeitsvereine beginnt. |
1823![]() |
Auf Initiative eines Rittmeisters der Cheveaulegers und mit Unterstützung der Stadt entsteht die neue Anlage zum Freischütz auf der Herrenwiese. Sie war die Attraktion der Sonntagsausflüge und es wurde viel Theater gespielt - was zu dieser Zeit hoch in Mode stand. |
1830 |
Wahrscheinlich erster Fasnachtsumzug in Speyer mit Prinz Harlekin, der zur Wonne seines Volks erschien... und dies einige Jahre vor der Ersterwähnung von Fasnachtsumzügen in Karnevalshochburgen wie Kaiserslautern (1838), Mannheim (1840) und Karlsruhe (1843). |
1831 |
Ein vergilbtes Dokument ist von dem Fasnachtsumzug dieses Jahres erhalten geblieben - 15 Monate vor dem Hambacher Fest ist das Zugprogramm und der Narren-Umzug, für den es gedruckt wurde teils bissige Satire und trägt schon die Züge des Liberalen gegen Fremdherrschaft und Fürstentyrannei - Beginn des politischen Karnevals. |
1841![]() |
Der wahrscheinlich erste Speyerer Carneval-Verein SCV hat kaum Spuren hinterlassen - lediglich eine Liedersammlung mit 20 carnevalistisch-romantischen Gesängen aus dem Jahre 1841 zeugt von der Existenz dieses Vorläufers der SKG. Geschmückt wird das älteste Liederbuch der Speyerer Fasnacht von einem finster dreinblickenden Herrn - offensichtlich kein Narr. |
1847![]() |
Gründung einer "Pfälzer Garde", wahrscheinlich als Nachfolgerin des Carneval-Vereins und aus ihm hervorgegangen - jedenfalls wurde im Stammlokal der Pfälzer Garde der wohl bedeutenste Fund der Speyerer Fasnachtsgeschichte gemacht: ein Narrenhelm mit den aufgestempelten Insignien der Speyerer Carneval-Gesellschaft SCV. |
1848![]() |
Der ältester Speyerer Fasnachtsorden, verliehen beim "Comitee der Pfälzer Garde" ist wohl das älteste erhaltene Exemplar seiner Art in Deutschland. Der mit Buntpapier beklebte Sternorden mißt 18 Zentimeter im Durchmesser und ist aus Pappe. Die Zacken sind rot, gelb, grün und blau. In goldenen Lettern ist aufgedruckt: "Kummer, Angst und Liebesqual vertreibet nur der Carneval/Ewig treu dem Carneval. Speyer 1848. |
1854![]() |
Närrische Programme und Veranstaltungshinweise belegen eine recht zünftige Speyerer Fasnacht bei der vermutlich um 1850 entstandenen Casinogesellschaft, die die gut bürgerlichen Kreise als Mitglieder hatte. Höhepunkte waren die großen Maskenfeste am Fasnachtssonntag und Rosenmontag, bei denen Prinz Carneval und Prinzessin Narreteia regierten... 1858 lautete das Motto "Allen wohl und niemand weh" - wie es später auch von der SKG häufig gebraucht wurde. |
1876![]() |
"die Narrheit während der Narrenzeit möglichst zu pflegen, und zwar durch Musik, komische Vorträge, Lieder und sonstigen Schnick-Schnack und endlich theatralische Aufführungen..." - dies gehörte zu den Zielen der "Narrenloge", deren Satzung noch erhalten ist und die vermutlich mit der Casino-Gesellschaft in Verbindung stand. Die Narrenloge gab die älteste Speyerer Narrenzeitung heraus, die in zwei einander folgenden Wochennummern erschienen ist - danach verliert sich jede Spur dieses frühen Karneval-Vereins. |
1880![]() |
Ein "Humoristischer Club" tritt auf die Bühne der Speyerer Fasnacht. Sein Vorstand, der Schriftleiter Philipp Grüneberger gab die Zeitschrift "Fröhlich Pfalz - Gott erhalt's" heraus und erfand darin den "Gottlieb", ein Speyerer Original, der später als Bütten-Typ herhalten mußte. Max Velten übernahm noch als Gründungsmitglied der SKG den "Gottlieb". |
1887![]() |
Unter der Patenschaft eines gleichnamigen Vereins in Kaiserslautern wurde die Gesellschaft Gambrina gegründet - laut Gründungsprotokoll soll sie auf "enges Zusammenhalten, auf Pflegung des Gesanges sowie einer gemütlichen Unterhaltung" hinwirken. Die Gambrina blühte, wuchs und gedieh über den ersten Weltkrieg und die goldenen 20er Jahre hinaus. Als sich die Gambrina als letzter der großen Geselligkeitsvereine 1937 auflöste, gingen die restlichen Mitglieder in der neugegründeten SKG auf, ein fast nahtloser Übergang war gelungen - die heutige SKG ist der direkte Nachfolgerverein dieser alten Gesellschaft. |
1890![]() |
Die "Fidelia" tritt in die Fußstapfen des Humoristischen Clubs und nimmt karnevalistische Traditionen auf. Sitzungen und Kappenabende waren zunächst nur für Mitglieder bestimmt, später wurde auch zu "Fremdensitzungen" eingeladen, die schon mit allem Karnevalprunk, mit Büttenrednern, Ordensverleihungen, Fasnachtsschwänken, Duo-Auftritten und närrischen Liedern ausgestattet waren - die Fasnacht ging an die Öffentlichkeit. |
1896![]() |
Der "Klub Vergißmeinnicht", der mit Unterbrechung bis in die dreißiger Jahre bestand, findet seine erste Erwähnung. |
die 30er Jahre![]() |
In den 30er Jahren ging die Glanzzeit der Geselligkeitsvereine endgültig zu Ende, Not und Elend der Weltwirtschaftskrise forderten ihren Tribut. Auch die Speyerer Fasnacht, die bis dahin von einer Vielzahl von Gruppierungen ausgiebig und nicht schlecht gefeiert wurde, war an einem Tiefpunkt angelangt. Am 11.11.1936 schrieb Fritz Lindacher in einem in der Zeitung veröffentlichten Leserbrief : "Fast schüchtern verkriecht sich die alte Speyerer Tradition. Wo bleiben sie, die früher in Speyer Leben in die Bude brachten? Still geworden ist es um den Letzten, die Gambrina...Angepackt! Zugegriffen! Speyer will seinen Karneval!" |
1935![]() |
Am 11. November wird auf Initiative von Max Velten und Fritz Lindacher die Speyerer Karnevalgesellschaft, ein endlicher Zusammenschluß aller Speyerer Karnevalsfreunde gegründet. Der zwei Tage später von Max Velten eingereichte Genehmigungsantrag zur Gründung einer Karnevalgesellschaft wird jedoch vom Staatspolizeiamt strikt zurückgewiesen - das Wesen der Fasnacht war der Obrigkeit suspekt. |
1936![]() |
Die Speyerer Narren gaben nicht auf - am 13. März berieten die Vertreter der nicht genehmigten Speyerer Karnevalgesellschaft über die Möglichkeit, ihre Gesellschaft zusammen mit der Gesellschaft Gambrina zu führen. Mehrere Besprechungen fanden statt, Namensvorschläge waren "Karnevalgesellschaft Gambrina 1887" oder "Speyerer Karnevalgesellschaft 1887". Alles scheitert jedoch wiederum an der Obrigkeit - die Staatspartei beantwortet die Bedürfnisfrage negativ. |
1937![]() |
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg... Dieser führt über den Verkehrsverein. Um die unerwünschte und bereits zweimal abgelehnte Neugründung zu umgehen, soll die Speyerer Karnevalgesellschaft als eigenständige Organisation innerhalb des Verkehrsvereins gegründet werden. Am 21. Januar werden bei einer Vorbesprechung die Weichen gestellt... Am 1. Februar ist es dann soweit: es findet die konstituierende Gründungsversammlung der "Neuen Speyerer Karnevalgesellschaft im Verkehrsverein e.V." statt - der ellenlange Name verkürzt sich bald auf Speyerer Karnevalgesellschaft oder SKG. Erster Präsident wird Georg Wilhelm Fleischmann, 41 Freunde des Karnevals aus allen Bevölkerungsschichten tragen sich noch am gleichen Abend in die Mitgliederliste ein. Zur gleichen Zeit wird die Gambrina aufgelöst, ihre restlichen Mitglieder gehen fast vollständig in der SKG auf, die damit zum direkten Nachfolger der traditionsreichen Gesellschaft von 1887 wird. Im Oktober tagten auf Einladung von Georg W. Fleischmann 16 südwestdeutsche Karnevalvereine in Speyer und gründeten die Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Karnevalvereine, aus der die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine hervorging, deren Sitz heute noch in Speyer ist. Bei dem mit dieser Tagung zusammenfallenden Herbstball wurde die erste Speyerer Fasnachtsprinzessin gewählt: Elfriede I. aus dem Hause Buchenberger. |























